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Aktuelle Seite: StartseiteGartenarbeit purMischkultur im Gemüseanbau

Gemüseanbau in Mischkultur

 

GG-05a_FB-Beetplanung_Mischkultur.pdf

Den ersten Teil unseres Beetes hatten wir mit Möhren, Radieschen und Zwiebeln bepflanzt. Das ist bereits eine kleine Mischkultur. Sie beruht auf der Erkenntnis, dass sich Pflanzen gegenseitig beeinflussen.

Allelopathie

1937 veröffentlichte der Botaniker Hans Mollisch ein Werk mit dem Titel: “Der Einfluss einer Pflanze auf eine andere - Allelopathie“. Inzwischen hat man sehr gut untersucht, dass Pflanzen durch Wurzelausscheidungen miteinander kommunizieren. Die Pflanzen geben in den Boden Pflanzenwirkstoffe, sogenannte Phytonzide, ab. Die Entstehung und Vermehrung von Mikroorganismen im Boden kann gefördert werden und benachbarte Pflanzen positiv beeinflussen. Darauf beruht das System der Mischkultur.

Bei einer Mischkultur werden mehrere Gemüsearten mit verschiedener Reifezeit und unterschiedlichen Nährstoffbedürfnissen auf einem Beet zusammengesetzt. Bei der Auswahl der Pflanzen spielen die Wurzeltiefe und Wurzelform eine Rolle. So werden die Nährstoffe aus unterschiedlicher Bodentiefe aufgenommen, alle Nährsalze optimal ausgenutzt, ohne dass die Pflanzen in Konkurrenz treten und der Boden einseitig ausgelaugt wird. Aber auch die Wuchshöhe ist von Bedeutung: manche Pflanzen brauchen Schatten und der Boden trocknet nicht so schnell aus, andere brauchen viel Sonne und dürfen sich gegenseitig nicht verschatten. Neben der Nährstoffausnutzung ist auch die Abwehr von Schädlingen und Pflanzenkrankheiten ein gewünschtes Ziel einer Mischkultur. Salat hält Erdflöhe fern und wirdgerne zwischen Kohlrabi, Blumenkohl und andere Kohlarten gesetzt, wie man im unteren Bild sieht. Das Aroma des Selleries, der Tomate und auch der Zwiebel wehrt den Kohlweißling ab, dessen Raupen den Kohl kahl fressen.    

Zwiebelgewächse haben aufgrund ihrer Inhaltsstoffe eine desinfizierende und keimtötende Wirkung. Sie enthalten scharfe Senfölglykoside. So werden Pilzerkrankungen wie Grauschimmel und Mehltau eingedämmt. Neben den Zwiebelgewächsen helfen auch Gartenkräuter, weil sie ätherische Öle enthalten. Aber nicht nur der Geruch wirkt sich vorteilhaft aus. In unserem Beispiel schützt der Geruch der Zwiebel die Möhre vor dem Befall mit der Möhrenfliege und umgekehrt vertreibt der Duft des Möhrenkrauts die Zwiebelfliege. Eine geschickte Auswahl von Pflanzen für eine Mischkultur fördert also das Wachstum und den Ertrag im Beet und verhindert Schädlingsbefall und Pflanzenkrankheiten.

Es gibt allerdings auch "schlechte" Nachbarn, die zum eigenen Schutz Säure und Gase abgeben, welche unter Umständen die Keimfähigkeit der Samen von benachbarter Pflanze beeinträchtigen können oder deren Wurzeln schädigen. Zum Beispiel sind die Stoffwechsel-ausscheidungen der Petersilie und ihre ätherischen Öle zu aggressiv für die Salatpflanzen und schädigen sie. Wiederum andere Pflanzenarten locken bestimmte Schädlinge, wie Blattläuse, in Massen an. Diese Pflanzenarten gehören nicht zusammen ins Beet.

GG-05a_Planungshilfe_Mischkultur.pdf

Mischkultursystem nach Gertrud Franck

Bereits in den 70er-Jahren entwickelte Gertrud Franck (* 25. 09. 1905, t 18. 04. 1996) auf der schwäbischen Alb unter sehr ungünstigen Bodenverhältnissen ein vorbildliches System für einen Mischkulturengarten.    
In ihren Aufzeichnungen aus jahrzehntelanger Praxis berichtete sie von zunächst unerklärlichen Beobachtungen, die sich jährlich wiederholten. Manche Pflanzen gediehen in bestimmten Nachbarschaftsverbänden immer besser und mit anderen jeweils schlechter. Nun begann sie, systematisch zu experimentieren, die im Laufe der Zeit gewonnenen Einsichten zu kontrollieren und mit biologischen Abläufen aus der ungestörten Natur zu vergleichen. Gleichzeitig ahmte Gertrud Franck mit der dazugehörigen Bodenpflege durch Bodenbedeckung und Flächenkompostierung sowie durch passende Vor-, Nach- und Untersaat geeigneter kurzlebiger Pflanzen ein Stück Natur nach, das keinen unbesiedelten, leeren Boden duldete. 

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