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Auszüge aus der Chronik  "50 Jahre Gartenarbeitsschule Moabit"

1904 - Das erste Schulgebäude mit Beeten entsteht
Bereits im Jahr 1904 wurde für die wachsende Bevölkerung in Moabit auf dem Gelände  der Birkenstraße 35-38 eine erste provisorische Schulbauten aus Holz errichtet. Die "Königliche Stadtbauinspection" erteilte die Genehmigung,insgesamt neun einfache Holzbaracken immerhin schon mit Wasser- und Abwasseranschluss. Von 1905 an wurden hier Moabiter ABC-Schützen eingeschult und bis zur vierten Klasse unterrichtet. Zwischen den Baracken standen Bäume und entlang des hohen Holzzauns, der das Schulgelände umgab, lagen einige Beete. Hier gärtnerten die ersten Schülerinnen und Schüler unter Anleitung ihrers schulmeisters schon vor mehr als 100  Jahren. Ganz anders als heute landeten die Ernteerträge in diesen Tagen meistens bei der Frau des Lehrers.

1925 - Die Mädchen der Hedwig-Dohm-Mittelschule ziehen ein
In den zwanziger Jahren nutzten die Schülerinnen der Hedwig-Dohm Mittelschule für Mädchen die Gebäude.
Ilse Dammschneider besuchte die Hedwig-Dohm-Schule vom Frühjahr 1930 bis zum Herbst 1935. Sie erinnert sich: "Es war ein schönes Schulgelände. Wir mochten es, weil es so viele Pflanzen und Bäume gab. Im Sommer fand manchmal der Unterricht draußen im Freien statt. Die Gartenarbeit an den Beeten hat mir als Schülerin sehr viel Spaß gemacht. Oft bin ich auch nach Schulschluss noch mal hingegangen, um nach den Beeten zu sehen und daran zu arbeiten. Zu tun gab es ja immer was: jäten, wässern, Erde lockern. ..." (Zitat aus der Chronik)

1938 - Die Henkelwerke bilden Flugzeugmehaniker aus
Im Herbst 1935 verliessen die Schülerinnen der Hedwig-Dohm-Mittelschule das Gelände zogen und in das Schulgebäude am Stephansplatz um. Die Baracken in der Birkenstraße wurden ab 1938 gebraucht, um dort für die Heinkelwerke Flugzeugmechaniker auszubilden. In den Klassenräumen fand der theoretische Unterricht statt, die ehemalige Turnhalle wurde zum Hangar umfunktioniert. Nach Kriegsbeginn wurde die Ausbildung der Flugzeugmechaniker dann in die Heinkel-Werke nach Oranienburg verlegt. Die Beete wurden von den von den Schülern der umliegenden Schulen noch immer bewirtschaftet. Rita Hösch und Brunhilde Anger, ebenfalls Schülerinnen der Hedwig-Dohm-Schule, erinnern sich daran, dass der Biologie-Lehrer Dr. Nymczek die Klasse für den Unterricht häufig auf das Gelände führte.

Kriegsjahre und Beete zur Eigenversorgung
In der Nacht vom 22. zum 23. November 1943 wurden die Straßenzüge vom Unionsplatz bis zum Stephanplatz bombardiert. Viele Gebäude in diesem Gebiet, unter anderem auch die Schulbaracken in der Birkenstraße wurden dadurch zerstört. Die Beete wurden von den Leuten der Umgebung als Grabeland genutzt. Sie zogen dort für den Eigenbedarf Kartoffeln und Gemüse.

1949/50 - Erste Planungen zur Wiederbelebung der Gartenarbeitsschule

Erste Überlegungen bei der Abteilung Volksbildung zur Nutzung des Grundstückes beinhalteten den Bau einer Grundschule oder die Gestaltung eines Schülerarbeitsgartens. Die Entscheidung fiel zugunsten des Schülergartens in der Tradition der Arbeitsschulbewegung. Das Gartenbauamt übernahm die Planung und beauftragte eine private Firma mit der Räumung des Geländes. Entfernt wurden nur die Eisenträger, die aus den Trümmern herausragten. Der Schutt wurde auf dem Grundstück verteilt und mit Muttererde bedeckt. So entstand für den Bezirk Tiergarten ein Gelände von 8200 m2 Größe und am 23. Juni 1951 wurde der Garten an die Schüler übergeben.

1959/60 - Aufbau zum Bezirksschulgartens , Rückschläge und Erfolge
Herbert Will, zu dieser Zeit Lehrer an der Siemens-Schule, der heutigen James-Krüss-Grundschule,  war ein  begeisterter Botaniker und besuchte mit seinen Schülern regelmäßig den Schülerarbeitsgarten und übernahm dafür 1957 dafür die schulische Leitung. Er wollte mehr Schüler und Lehrer in den Schulgarten holen, warb bei Lehrer- und Gesamtkonferenzen mit kleinen Vorträgen für die Idee des Schülergartens, für interessierte Kollegen, gab er einen Fortbildungskurs  „Das Pflanzenkleid der Heimat“ und stellte die Einrichtung sogar bei der Gewerkschaft vor. 
Noch im gleichen Jahr wurde der Schulgarten der 12. GS in der Wiebestraße dem Schülerarbeitsgarten flächenmäßig zugerechnet. Damit lag die Gesamtfläche bei über 10.000 qm. Dies hatte nicht nur die Umbenennung in ´Bezirksschulgarten´ zur Folge, sondern vor allem einen erhöhten Etat für Gartenbedarf und Sämereien! Die Motivations-Kampagnen von Herbert Will waren überaus erfolgreich: 1959 kamen schon rund ein Dutzend Lehrer und Lehrerinnen mit ihren Klassen regelmäßig in den Garten - das waren etwa 300 Kinder pro Woche!

Umso schmerzlicher war es deshalb, dass im Sommer ´59 der größte Teil der bepflanzten und gepflegten Beete der Fernwärme-Leitung geopfert werden mussten. Der Bau der Fernwärme-Leitung im Sommer 1959 verlief mitten durch den Bezirksschulgarten. Allen Protesten von Lehrern und Schülern zum Trotz, fielen auch die bereits bewirtschafteten Beete  den Grabungsarbeiten zum Opfer. Erst 1960 wurde der Garten wieder in seiner ursprünglichen Form hergerichtet. In diesem Jahr stellte H. Will auch den Antrag auf die Errichtung eines massiven Dienstgebäudes, das dann im Folgejahr erbaut wurde und heute noch genutzt wird (Gärtner-Büro, Werkstatt, Außen-WC).

1971 - Die Ära von Herbert Will geht zu Ende
Neben der schulischen Leitung hatten natürlich die Gärtner eine wichtige Rolle. Nach der Pensionierung von Herrn Bailleu im Jahre 1968 übernahm Karl Bartschek die Gärtnerstelle. Er blieb im Bezirksschulgarten bis er 1975 in den Ruhestand trat und die Gärtnerstelle an Alfred Rosenkranz weitergab. Im Dezember 1977 ging in der Gartenarbeitsschule die ´Ära Will´ zu Ende, denn der Herzblut-Pädagoge wurde pensioniert. Die schulische Leitung ging an Fritz Jahnke, einen Lehrer der Carl-Bolle-Grundschule. Ansprechpartner für Pädagogen und Schüler war der Gärtner Alfred Rosenkranz.
1983 - Der noch von Herbert Will beantragte Bau eines Klassenraumes auf dem Gelände der Gartenarbeitsschule wurde genehmigt und 1983 durchgeführt.
 
Viele Schülerjahrgänge gärtnerten fleißig saiason für Saison bis dann der Standort nach der Wende in den Dornröschenschlaf fiel. Das Interesse am Gärtnern und nachhaltiger Umweltentwicklung rückte in den Hintergrund. Es gab andere, herherausfordernde Entwicklungen, aber auch viele Probleme in der Schullanfschaft zu lösen. Die Zah der Besucher und die Nutzung durch Schulklassen ließ stark nach. und 1997 der langjährige Gärtner Alfred Rosenkranz vom Natur- und Grünflächenamt aus der GAS abgezogen wurde, drohte dem Garten Verwahrlosung und Schließung. 

Doch damit begann ein neues Kapitel...

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