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Aktuelle Seite: StartseiteVom Beet auf den TischBrot für alleGetreide - Kulturgeschichte

Vom  Einkorn und Emmer zum modernen Weizen

Die Kultivierung der Getreidearten begann in der Jungsteinzeit. Im Verlaufe des etwa 10.000 jährigen Anpassungsprozesses - der Domestikation - hat der Mensch aus den vielfältigen Wildformen durch Auslese unsere Kulturpflanzen entwickelt.  Heutzutage wird davon ausgegangen, dass die Evolution der Weizenarten kein kontinuierlicher und gerichteter Prozess war, sondern dass er an verschiedenen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten  stattgefunden hat.

Durch spontane Mutationen kam es zur  Vervielfältigung des Chromosomensatzes. Diese Pflanzen waren oft ertragreicher und wurden bei der Weiterkultivierung als Saatgut ausgewählt. Man geht davon aus, dass sich zunächst aus zwei Wildformen mit doppeltem (diploidem) Chromosomensatz durch spontane Kreuzung unter Beibehaltung der beiden vollständigen Chromosomenpaare der wilde Emmer mit vierfachem (tetraploiden) Chromosomensatz gebildet hat. Durch Kreuzung des wilden Emmers mit einem weiteren diploiden Wildweizen sind dann Dinkel und unser heutiger Kulturweizen entstanden. Der heutige Kulturweizen hat, genau wie eine Vorläuferform, der Dinkel, 42 Chromosomen und einen sechsfachen (hexaploiden) Chromosomensatz. Aus dem wilden Einkorn ging das Kultureinkorn und aus dem wilden Emmer der Kulturemmer und eine Reihe von anderen tetraploiden Weizen hervor, von denen der begrannte Hartweizen neben unserem Kulturweizen heute eine weite Verbreitung hat.  

Nach der  somatischen Chromosomenzahl umfasst der Weizen drei Gruppen: die diploide Einkornreihe, die tetraploide Zweikorn- oder Emmerreihe  
und die hexaploide Dreikorn- oder Dinkelreihe.

 

Der Ursprung des  Einkorns  (Triticum monococcum) liegt zwischen Euphrat und Tigris, wo er schon um 7.000 vor Christus angebaut wurde. Seinen Namen verdankt er der Tatsache, dass beiderseits der Ährenspindel nur ein Korn sitzt, Die Spelzen sind mit dem Korn fest verwachsen und die Ährenspindel ist brüchig.
Zur Zweikornreihe, die aus Äthiopien stammt, gehört der Hartweizen (Triticum durum), aus dem vorwiegend Teigwaren (Nudeln) hergestellt werden. Weitere Formen sind der Emmer oder Zweikorn (Tritcum dicoccum),
Aus der  Dreikornreihe  aus Asien gedeiht auch in den rauen Lagen  Europas  der Spelz oder Dinkel (Triticum spelta). Beim Dinkel umschließen die Spelzen (reduzierte, schuppige Blätter) eng das Weizenkorn. Dinkel ist eine anspruchslose, relativ ertragsarme Weizenart, die an kühles Klima angepasst ist. Unreif geernteter und gedörrter Dinkel (als Grünkern bezeichnet) wird vor allem in Süddeutschland als Suppeneinlage, aber auch für Brot verwendet. Dinkel wurde früher erheblich häufiger kultiviert als heute, die Bedeutung dieser Weizenart nimmt jedoch in neuerer Zeit wieder zu.

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